Ausgerechnet Cameron Hunt: Der ehemalige Würzburger hat am Dienstagabend in der Würzburger tectake ARENA seinen neuen Arbeitgeber Joventut Badalona zu einem 85:83-Sieg geworfen. 2026 Zuschauende sahen am 3. Spieltag der „Round of 16“ der Basketball Champions League einen spannenden Krimi, der erst in der letzten Zehntelsekunde durch einen Floater des 28-jährigen Texaners entschieden wurde. Zuvor hatten die Fitness First Baskets einen 14-Punkte-Rückstand aufgeholt und lagen knapp drei Minuten vor Schluss noch mit 79:75 in Führung. In der Crunchtime konnte die Heimmannschaft aber mehrere Abschlusschancen nicht nutzen, so dass sich der Favorit aus Spanien live bei Dyn knapp durchsetzen konnte.
Bester Spieler der Partie war Marcus Carr mit 19 Punkten und 9 Assists, auf Würzburger Seite trafen außerdem Davion Mintz (18), Brae Ivey (15) und Johnathan Stove (11) zweistellig. Cameron Hunt, der von 2019 bis 2023 in Würzburg spielte, war mit 18 Zählern bester Werfer für Badalona. „Ich bin sehr stolz darauf, wie mein Team gegen die besten Mannschaften der Champions League spielt und auf Augenhöhe mithält“, sagte Headcoach Sasa Filipovski nach dem Spiel. Weiter geht es für die Fitness First Würzburg Baskets mit einer langen Auswärtsfahrt und einem easyCredit BBL-Auswärtsspiel bei den ROSTOCK SEAWOLVES am Sonntag um 18 Uhr. Am kommenden Mittwoch (11. Februar, 19 Uhr) wird der zweifache BCL-Champion Unicaja Malaga in der tectake ARENA zu Gast sein.
Die Gäste aus Katalonien erwischten den besseren Start (0:7, 3. Minute), Dann fanden auch die Baskets ihren Rhythmus und drehten den Spielstand innerhalb einer Minute durch zwei Treffer von Kapitän Eddy Edigin und einen spektakulären Dreier vom BCL-Logo von Davion Mintz, der auch den Bonusfreiwurf zur 8:7-Führung traf.
Badalonas Headcoach Dani Miret reagierte und schickte mit Ricky Rubio (mehr als 700 Spiele in der NBA), Ante Tomic (283 Spiele in der EuroLeague) und kurze Zeit später Adam Hanga (281 Spiele in der EuroLeague) seine erfahrensten Kräfte aufs Feld.
Nach einem Dreier von Johnathan Stove lagen die Baskets noch knapp mit 11:9 in Führung, bis zur ersten Viertelpause hatten die Gäste daraus aber ein 15:27 gemacht. „Wir haben im ersten Viertel ohne Selbstvertrauen gespielt, das hat mir gar nicht gefallen“, sagte Sasa Filipovski nach dem Spiel. Umso zufriedener war Würzburgs Cheftrainer mit den folgenden drei Vierteln, die seine Schützlinge alle für sich entscheiden konnten, auch wenn es am Ende gegen den noch ungeschlagenen Favoriten nicht ganz zum Sig reichen sollte.
Die Aufholjagd begann nach dem höchsten Rückstand des Spiels (33:47, 17. Minute) in den letzten drei Minuten vor der Pause: Brae Ivey, Johnathan Stove und Marcus Carr trafen bei einem 9:3-Lauf zum Halbzeitstand von 42:50.
Die Gäste lagen zu diesem Zeitpunkt deshalb vorne, weil sie die Dreier in der ersten Halbzeit besser trafen (8 von 14 / 57 Prozent) als die Gastgeber (5 von 14 / 36 Prozent) und jeden einzelnen der sieben Würzburger Ballverluste in eigene Punkte (15) ummünzen konnten.
Nach der Pause kamen auf Würzburger Seite nur noch vier weitere Turnover dazu, und in der Verteidigung gingen die Filipovski-Schützlinge sehr physisch und konzentriert ans Werk. Badalona traf in der zweiten Halbzeit nur noch einen von neun Drei-Punkte-Würfen (Würzburg wieder 5 von 14), so dass die Baskets den Abstand im dritten Viertel halbieren (62:66) und im Schlussabschnitt zum ersten Mal seit der Anfangsphase wieder selbst in Führung gehen konnten.
Sie starteten mit einem 7:0-Lauf ins vierte Viertel: David Muenkat sorgte die ersten beiden Punkte, dann traf Marcus Carr einen Dreier, holte sich das Spielgerät im nächsten Angriff der Gäste sofort zurück und vollendete im Fastbreak zum 69:66 in der 33. Minute. Von diesem Zeitpunkt an war die Partie endgültig eine enge und extrem spannende Angelegenheit, die Führung wechselt mehrmals hin und her - bei den Spaniern war in dieser Phase Ricky Rubio mit sieben Punkten fast der einzige Scorer.
Knapp drei Minuten vor Schluss sorgte Marcus Carr mit seinem nächsten Dreier für die höchste Baskets-Führung (79:75), die aber in der Crunchtime nicht genügen sollte, um den Auswärtssieg von Badalona zu verhindern - Cameron Hunt und der Kroate Michael Ruzic übernahmen jetzt für die Gäste. Hunt sorgte zweimal mit einem Korbleger für den Ausgleich, Ruzic 34 Sekunden vor dem Ende nach einem Offensivrebound ebenfalls (83:83).
Auf der anderen Seite vergab David Muenkat bei verbleibenden 15 Sekunden einen Dreier, Cam Hunt schnappte sich den Rebound. Der ehemalige Würzburger ließ die Uhr herunterlaufen und versenkte dann mit seiner starken linken Hand den Buzzerbeater als Floater gegen zwei Verteidiger von der Freiwurflinie - eine Zehntelsekunde fehlte den Baskets zur Verlängerung. „Er hat auch für uns schon solche Gamewinner getroffen, unglücklicherweise hat er es heute gegen uns getan“, sagte Sasa Filipovski.
Fitness First Würzburg Baskets - Joventut Badalona 83:85
(15:27, 27:23, 20:16, 21:19)
Für Würzburg spielten:
Marcus Carr 19 Punkte/2 Dreier (9 Assists), Davion Mintz 18/3, Brae Ivey 15/3, Johnathan Stove 11/1, David Muenkat 8, Eddy Edigin 4, Christian Skladanowski 3/1, Charles Thompson 3, Lukas Herzog 2.
Top-Performer Badalona:
Cam Hunt 18/2, Michael Ruzic 15, Ricky Rubio 13 (7 Assists), Yannick Kraag 10/2.
Key Stats:
Freiwürfe: Würzburg 11 von 16 (66 Prozent) - Badalona 16 von 24 (66 Prozent)
Rebounds: Würzburg 26 - Badalona 36
Stimmen zum Spiel
Eddy Edigin Jr., Kapitän Fitness First Würzburg Baskets:
„Wir haben hart gekämpft und gezeigt, dass wir eine gute Mannschaft sind. Wir hatten bis zum Schluss die Chance auf den Sieg, unglücklicherweise hat es am Ende nicht ganz gereicht. Wir haben als Team zusammengespielt und viele gute Dinge gemacht. Ich bin happy für die Jungs, die heute gut gespielt haben. Natürlich wollen wir jedes Spiel gewinnen, aber das ist Basketball. Wenn man gegen Teams wie Malaga und Badalona spielt, kommt es auf viele Details an. Wir müssen daraus lernen und es beim nächsten Mal besser machen.“
Saša Filipovski, Headcoach Fitness First Würzburg Baskets:
„Wir sind nicht gut gestartet und haben im ersten Viertel ohne Selbstvertrauen gespielt, das hat mir überhaupt nicht gefallen. Die nächsten drei Viertel haben wir gut gespielt und hatten die Chance, das Spiel zu gewinnen. Wir haben aber zwei Freiwürfe nach technischen Fouls und den letzten Dreier nicht getroffen und auch einige Korbleger liegen gelassen. Und dann haben wir bei der letzten Aktion nicht verteidigt. Aber ich bin sehr stolz darauf, wie meine Mannschaft gegen die besten Teams der Champions League spielt. Ich freue mich für Cameron Hunt, er hat solche Gamewinner auch schon für uns getroffen. Unglücklicherweise hat er es heute gegen uns gemacht. Wir haben in allen drei Spielen der Gruppe gezeigt, dass wir nah dran sind und auf Augenhöhe mithalten und haben erst in der Schlussphase verloren. Jedes Spiel hat seine eigene Geschichte, im Lauf einer Saison hat man immer Höhen und Tiefen. Wenn man die Etats unserer Gegner in dieser Gruppe mit unserem Budget vergleicht, machen wir einen großartigen Job.“
Daniel Miret, Headcoach Joventut Badalona:
„Erst einmal Glückwunsch an mein Team zu einem großartigen Sieg. Ich denke, dass es ein sehr schwieriges Spiel war. Vor allem in der zweiten Halbzeit war es mental sehr hart, nicht nur wegen der physischen Art und Weise, mit der Würzburg in der Verteidigung gespielt hat. Das hat uns überrascht. In der ersten Halbzeit haben wir acht Dreier getroffen und immer wieder nach guten Defensivaktionen und Würzburger Ballverlusten gepunktet. In der zweiten Halbzeit hat Würzburg, wie gesagt, sehr physisch und exzellent verteidigt. Es war im Angriff nicht unser bestes Spiel, aber unser Team hat nicht aufgegeben und bis zum Schluss an den Sieg geglaubt.“
Cameron Hunt, Joventut Badalona:
„Auswärtsspiele in der Champions League sind immer schwierig, die Heimmannschaften spielen immer sehr physisch. Wir haben es gut gemacht, ein Sieg ist ein Sieg. Natürlich war das heute ein besonderer Abend für mich, nachdem ich hier so lange gespielt habe - nicht nur wegen dem Gamewinner.“


