Playoff-Drama am Freitagabend in der ausverkauften Turnhölle: Die Fitness First Würzburg Baskets haben in Spiel 3 des Viertelfinales gegen die Telekom Baskets Bonn nach einem Crunchtime-Krimi eine knappe 76:80-Niederlage kassiert. Nach einer guten ersten Halbzeit lagen die Baskets mit 44:36 vorne, Bonn drehte die Partie durch einen 12:0-Lauf zum Start ins dritte Viertel (44:48).
In den letzten fünf Minuten der Partie holten die Baskets einen Sieben-Punkte-Rückstand auf, ehe Jeff Garrett 31 Sekunden vor dem Ende live bei Dyn den entscheidenden Dreier traf und den Bonner Auswärtssieg anschließend mit zwei Freiwürfen zum Endstand in trockene Tücher brachte.
Die Baskets brauchen am Pfingstsonntag in Spiel 4 einen Heimsieg, um die Serie auszugleichen und ein entscheidendes fünftes Spiel am kommenden Mittwoch im Bonner Telekom Dome zu erzwingen. Sprungball in der tectake ARENA ist am Sonntag um 16:30 Uhr, Tickets aller Kategorien gibt es im Onlineshop und an der Tageskasse.
Das dritte Spiel dieser spannenden Viertelfinalserie verlief ähnlich wie Spiel 2 im Telekom Dome: Die Baskets spielten eine gute erste Halbzeit, holten mehr Rebounds als Bonn und trafen ihre Würfe besser. Vor allem Brae Ivey, dem die Knöchelverletzung vom vergangenen Montag nicht anzumerken war, war in der ersten Halbzeit ein Aktivposten mit elf Punkten und drei getroffenen Dreiern. Mit der letzten Aktion vor dem Seitenwechsel hatte er sogar die Chance, die Baskets zweistellig in Führung zu werfen, der Dreierversuch wollte aber nicht fallen.
Trotzdem ging die Heimmannschaft nach zwei gewonnen Vierteln mit einem relativ komfortabel scheinenden und verdienten 44:37-Vorsprung in die Kabine, und das, obwohl die beiden Topscorer Marcus Carr und Davion Mintz offensiv kaum zum Zug gekommen waren – Carr hatte nach dem zweiten Viertel noch keinen einzigen Punkt erzielt, Davion Mintz nur fünf Würfe genommen und 7 Zähler auf dem Konto.
Der starke Start der Gäste in die zweite Halbzeit war dann der Grund dafür, dass aus dem Spiel am ende ein echter Playoff-Krimi wurde. Zwei Dreier von Jeff Garrett und Tylan Birts, dazwischen zwei Birts-Freiwürfe nach einer erfolgreichen Challenge der Bonner und dann zwei Korbleger von Garrett und Bonns bestem Werfer Alijah Comithier (18 Punkte): in der 24. Minute hatten die Rheinländer mit einem 12:0-Lauf den Spielstand gedreht.
Dann agierten die Baskets an beiden Enden des Feldes wieder deutlich konzentrierter, so dass sich bis zum Ende des dritten Viertels am knappen Abstand von vier Punkten nichts mehr änderte (51:55). Damit war alles angerichtet für eine spannende Schlussphase: Zwar konnten die Gäste dank einer für Bonner Verhältnisse starken Dreierquote ihren Vorsprung zwischenzeitlich auf acht Zähler ausbauen (56:64, 34. Minute), zwei Minuten später waren die Hausherren durch zwei drei Dreier von Davion Mintz und David Muenkat und einen Korbleger von Marcus Carr wieder auf 64:66 herangekommen.
Noch etwas größer wurde der Lautstärkepegel, als Carr 57 Sekunden vor dem Ende einen schwierigen Dreier zum 74:74-Ausgleich traf und den 3000 enthusiastischen Würzburger Fans wieder Hoffnung auf den fünften Playoff-Heimsieg in Folge gab. Daraus wurde nichts, weil Jeff Garrett im nächsten Bonner Angriff zwar einen Korbleger nicht nutzen konnte, der Ball aber irgendwie durch alle Würzburger Spieler hindurch den Weg zurück zu den Bonnern fand, so dass Garrett den vorentscheidenden Dreier zum 74:77 versenken konnte.
Charles Thompson verkürzte nach schönem Zuspiel von Marcus Carr (7 Assists) danach mit einem Duk auf 76:77, nach einem taktischen Foul konnte Grayson Murphy anschließend nur einen von zwei Freiwürfen nutzen. Marcus Carr nahm beim Spielstand von 76:78 mit drei Sekunden auf der Uhr den Dreier zum Sieg, der Ball ging aber nur an den Ring und landete bei Jeff Garrett, der gefoult wurde und beide Freiwürfe zum Endstand von 76:80 verwandelte.
Fitness First Würzburg Baskets – Telekom Baskets Bonn 76:80
(22:17, 22:19, 7:19, 25:25)
Für Würzburg spielten:
Davion Mintz 17 Punkte/3 Dreier, Charles Thompson 11, Brae Ivey 11/3, Marcus Carr 9/1 (7 Assists), Alen Pjanic 7/1, Johnathan Stove 6, Christian Skladanowski 5/1, David Muenkat 5/1, Leo Saffer 2, Eddy Edigin 2, Lukas Herzog 1.
Top-Performer Bonn:
Alijah Comithier 18 (7 Rebounds), Jalen Finch 16/2, Jeff Garrett 13/2 (9 Rebounds), Tylan Birts 13/1.
Key Stats:
Rebounds zweite Halbzeit: Würzburg 15 – Bonn 24
Dreierquote: Würzburg 29 Prozent – Bonn 38 Prozent
Freiwürfe: Würzburg 16 von 23 (70 Prozent) – Bonn 24 von 35 (69 Prozent)
Stimmen zum Spiel
Eddy Edigin, Kapitän Fitness First Würzburg Baskets:
„Wir waren nahe, dran, am Ende waren es die Offensivrebounds. Wir haben aufgeholt, da Energie gelassen und irgendwie in den letzten Minuten Körner verloren. Aber wir haben das nächste Heimspiel am Sonntag und wollen den Sieg unbedingt holen, für uns und für die Fans. Es ist ein bisschen enttäuschend, weil wir so nahe dran waren. Wir haben aber noch eine Chance, und die müssen wir auch nutzen. Bonn hat gute Bigs, es geht sehr hart und physisch zur Sache, das kann jeder sehen. Es ist ihr Stil, dass alle zum Rebound gehen, deswegen sind sie so dominant an den Brettern. Das gilt es jetzt zu matchen. Wenn wir dazu wieder etwas mehr Wurfglück haben, können wir am Sonntag gewinnen. Wir müssen nur auf uns schauen und auf das, was wir besser machen können.“
Sasa Filipovski, Headcoach Fitness First Würzburg Baskets:
„Wir müssen Bonn heute zum Sieg gratulieren. Ich bin zufrieden mit der ersten Halbzeit, da haben wir sehr gut gespielt. Wir haben die Situation kontrolliert, obwohl Bonn sehr viele Freiwürfe bekommen hat. Wir waren konzentriert und es lief gut. Der Start ins dritte Viertel war dann sehr schlecht, als wir sofort einen Dreier zugelassen und dann beim nächsten Dreier gefoult haben. Bonn hat in den ersten dreieinhalb Minuten zwölf Punkte gemacht, und wir haben im Angriff unsere Ballbewegung verloren. Wir haben dann zu viel individuell und nicht mehr als Team gespielt. Diese Veränderung war mehr psychologisch als alles andere. Der schnelle Rückstand hat uns geschockt, und dann hat uns die mentale Stärke gefehlt, um gleich im dritten Viertel zurückzukommen. Im letzten Viertel haben wir wieder gekämpft und an uns geglaubt, deswegen sind wir noch einmal ins Spiel gekommen. Dann haben wir einen Offensivrebound nicht bekommen, und Jeff Garrett hat den Dreier getroffen. Das Problem war, dass wir im vierten Viertel 25 Punkte zugelassen haben, weil unsere Verteidigung vor allem im Eins-gegen-Eins nicht gut genug war. Außerdem haben wir in der ersten Halbzeit das Reboundduell gewonnen, in der zweiten Halbzeit waren die vielen Offensivrebounds für Bonn ein Problem. Bonn hat hart gekämpft und hatte die tiefere Rotation mit Spielern wie Patrick Heckmann, die von der Bank ins Spiel gekommen sind und gepunktet haben. Meine Einwechselspieler haben heute zu wenig beigetragen. Ich erwarte von meinem Team, dass wir nicht aufgeben und am Sonntag die Serie mit einem Heimspiel zurück nach Bonn bringen. Danke an die Fans für die fantastische Atmosphäre, wir haben ihre Energie gespürt.“
Marko Stankovic, Headcoach Telekom Baskets Bonn:
„Wir sind natürlich sehr glücklich und zufrieden. Wir hatten zwei unterschiedliche Halbzeiten. In der ersten Halbzeit waren wir nicht zufrieden damit, wie wir gespielt haben, da haben uns etwas der Fokus und die Physis gefehlt. Außerdem haben wir uns nicht an den Gameplan gehalten und quasi erwartet, dass Würzburg die Würfe nicht trifft und dass die Rebounds zu uns kommen. Wir sind mit einer völlig anderen Einstellung aus der Kabine gekommen und haben nach der Pause für jeden Korberfolg und jeden einzelnen Stop in der Verteidigung hart gearbeitet. Es ist sehr schwierig gegen Würzburg und ihre Guards nur mit drei oder fünf Punkten zu führen, weil sie aus allen Lagen immer gefährlich sind. Aber wir haben in der zweiten Halbzeit in der Verteidigung und bei den Rebounds einen viel besseren Job gemacht, und das hat uns irgendwie auch einen Boost und mehr Selbstvertrauen für die Offensive gegeben. Es steht jetzt 2:1 für uns in der Serie, wir haben unseren Job hier in Würzburg erst zur Hälfte erledigt. Wir werden das Spiel analysieren und am Sonntag versuchen, von Beginn an so zu spielen wie heute in der zweiten Halbzeit.“


